Kann das weg?

 »ESSAY«  

von Kurt Sem­per


Euro­pas Intel­lek­tu­el­le, wie Geoffroy de Lag­as­ne­rie1 for­dern in Anbe­tracht der Gefah­ren rechts ver­rück­ter Gesell­schaf­ten das Ende einer Kunst, die sich nur mit sich selbst befaßt ist. Es sol­le zukünf­tig nur eine instru­men­ta­li­sier­te Kunst geben. Denn Weg­schau­en sei fak­tisch so etwas wie Zustim­mung, nur noch getoppt von akti­ven Unter­stüt­zern und Kunst­schaf­fen­den als Auf­trag­neh­mer von pro­fit­fi­xier­ten Kon­zer­nen und aso­zia­len kapi­ta­lis­ti­schen Kräf­ten. Mir auch klar: Eine selbst­ge­fäl­li­ge, sich den Ver­hält­nis­sen anbie­dern­de Künst­ler­schaft, braucht wirk­lich nie­mand.

Die um Aner­ken­nung und Auf­trä­ge buh­len­de Künst­ler­schaft trägt hier nur zum Unter­gang einer Visi­on bei, die uns in ein neue gesell­schaft­li­che Form der Kul­ti­vie­rung hät­te füh­ren kön­nen. Statt­des­sen, — Plat­ti­tü­den die als Male­rei, Skulp­tur oder als neu­me­dia­le Ver­fla­chung daher kommt. Das Ende die­ser Kunst, ist auch für mich kein Ver­lust, hier gehe ich mit der For­de­rung nach  »deut­ba­rer« Kunst zusam­men. Schluß mit dem gan­zen Deko­mist.

Aber die For­de­rung ist natür­lich von einer Intel­li­gen­zi­ja auf­ge­stel­let, die in ihrer Wahr­neh­mung der Situa­ti­on zwar nicht falsch liegt, aber über das, was freie Kunst­schaf­fen­de für Gesell­schaf­ten tun, offen­sicht­lich noch kei­ne dif­fe­ren­zier­te Wahr­neh­mung ent­wi­ckelt hat. 

So kön­nen funk­tio­na­le Wer­ke, also Pro­pa­gan­da, Wer­bung und ein­lul­len­der Kitsch, die der Kunst inne woh­nen­de Kraft nicht ent­fal­ten. Die Frei­heit der Kunst eine eige­ne auch auto­no­me Welt zu kre­i­ern, ist das was Rea­li­tät grund­le­gend in Fra­ge stel­len kann ohne dabei Par­tei oder Posi­ti­on zu ergrei­fen, und somit Wege zu einer wei­te­ren mög­li­chen neu­en Wirk­lich­keit fin­det.

Die For­de­rung an die Künst­ler­schaft sich per­sön­lich klar in poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen so wie in kul­tu­rel­len Fra­gen zu posi­tio­nie­ren, hal­te ich heu­te in Anbe­tracht des rech­ten Schre­ckens und bei fort­schrei­ten­der sozia­ler Unge­rech­tig­keit für drin­gend erfor­der­lich. Kunst die sich vor eine Kar­re span­nen läßt, egal vor wel­che brau­che auch ich nicht.


1 Geoffroy de Lag­as­ne­rie, »Den­ken in einer schlech­ten Welt«, Ver­lag Mat­thes und Seitz

Eher mau

 »KURTS KOLUMNE« 


In den Jah­re mei­ner Kura­to­ren­tä­tig­kiet habe ich vie­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler, die im Bereich Bild­haue­rei arbei­te­ten, ken­nen und schät­zen gelernt. Seit­her beob­ach­te ich vie­le von ihnen über Jah­re hin­weg in ihrer Ent­wick­lung. Eini­ge haben sich künst­le­ri­schen Anwen­dun­gen ver­schrie­ben und wirt­schaf­ten als krea­ti­ve Hand­wer­ker in ihren Betrie­ben. Die Weni­gen, die der Sache einer frei­en bil­den­den und kunst­ge­präg­ten Idee treu geblie­ben sind, schei­nen nur noch weni­ge Arbei­ten rea­li­sie­ren zu kön­nen. Vie­le der Lis­ten auf den Web­sites rei­ßen schon vor Jah­ren ab. Das »Kon­zept Skulp­tur« scheint sich auf­zu­lö­sen. Der Bedarf an Skulp­tu­ren für Wan­der­we­ge und für Park­an­la­gen ist befrie­digt. Lukra­ti­ve und inter­es­san­te Wett­be­wer­be im Bereich Kunst und Bau­en sind eher sel­ten. Ein »Mehr« an Kunst wäh­re wohl auch eher kon­tra­pro­duk­tiv, den kul­tu­rel­le Iden­ti­tät braucht ein kla­res Pro­fil und kei­ne unüber­schau­ba­re Viel­falt? Die Stars des Kunst­mark­tes schei­nen aber nach wie vor gefragt zu sein, — als Mar­ken­zei­chen pran­ken sie unüber­seh­bar vor Fir­men­sit­zen. Das ist eher Wer­bung für die Kul­ti­viert­heit des Unter­neh­men als Kunst­för­de­rung. Doch in der Flä­che der kunst­schaf­fen­den Bild­hau­er sieht es wohl eher mau aus. 

An Stel­le von mate­ri­al prot­zen­den Wer­ken tritt heu­te das geför­der­te Pro­jekt, das in sei­ner media­len Ver­wert­bar­keit fle­xi­bler ist und auch zu kei­nen unge­woll­ten Kon­tro­ver­sen über die Kunst­fra­ge führt. Öffent­lich­keits­ar­beit hat sich eben auch geän­dert, wird noch genau­er kon­fek­tio­niert, beson­ders da, wohl Ent­schei­dungs­trä­ger im har­ten Wett­be­werb um Mehr­hei­ten ste­hen.

KS

 

Ich bin Viele

 »STANDBILD« 


füh­le mich heu­te so uniden­tisch“

 

Wie­der einer die­ser Tage, an denen ich der alter­na­tiv­lo­sen Rea­li­tät nur mit der Frag­men­tie­rung mei­ner Selbst­wahr­neh­mung begeg­nen kann. 

FF